ThinkSimple+ Big5-Persönlichkeitsmodell

1. Theoretische Grundlage

Die Persönlichkeitsanalyse konzentriert sich auf das gezeigte Verhalten eines Individuums, um ein Persönlichkeitsprofil von ihm abzuleiten. Dieser besondere Ansatz ist in der wissenschaftlichen Forschung nicht ungewöhnlich, aber er ist in praktische Anwendung neu. Wir wollen den Hintergrund dieses Ansatzes aufzeigen und erklären, warum er funktioniert.

Kennen uns andere besser als wir selbst?

Bevor wir uns mit dem Verständnis des Unterschieds zwischen Selbst- und Fremdeinschätzung befassen, ist es wichtig zu erkennen, wie jede Bewertung dieselben Merkmale der Persönlichkeit misst, sich aber auf verschiedene Aspekte konzentriert. Die Selbsteinschätzung konzentriert sich darauf, wie eine Person ihre eigene innere Dynamik bewertet (z.B. die eigene Identität). Beobachterbewertungen (Fremdeinschätzungen) konzentrieren sich vielmehr auf die Messung des beobachteten Verhaltens einer Person (Oh, Wang & Mount 2011).

Eine Erklärung für den Unterschied zwischen Selbst- und Fremdeinschätzung in der Persönlichkeitsbewertung liegt darin, dass sich die Fremdeinschätzung am sozialen wahrgenommenen Verhalten der zu bewertenden Person orientiert. Umgekehrt sind Selbsteinschätzungen stark von eigenen Gefühlen und Motiven geprägt (Mount, Barrick & Strauss 1994).

Daher liefern selten Selbst- und Fremdeinschätzungen redundante Information. Sie liefern vielmehr komplementäre Aspekte der Persönlichkeit eines Individuums (Vazire & Carlson 2011).

Sind Andere in der Lage, meine „äußere“ Persönlichkeit zu bewerten?

Während Selbst- und Fremdeinschätzung -wie gesehen- verschiedene Aspekte erfassen, stellt sich die Frage, wie genau Andere die äußere Persönlichkeit eines Individuums bewerten können. Untersuchungen zeigen, dass Menschen Extraversion bereits nach 50 Millisekunden Exposition gegenüber einem Gesicht richtig vorhersagen (Borkenau, Brecke, Möttig & Paelecke 2009). Für andere Big-Five-Persönlichkeitsdimensionen wie Verträglichkeit wurden ähnliche Effekte gefunden, nachdem man sich einen 20 Sekunden stummen Clip angeschaut hatte (Kogan et al., 2011). Selbst für weniger ausgeprägter zwischenmenschliche Persönlichkeitsdimensionen wie Gewissenhaftigkeit, genügen kurze Videoclips von 30 Sekunden, um diese bewerten zu können. Und dadurch eine prädiktive Gültigkeit für die Arbeitsleistung ermöglichen (Ambady, Krabbenhoft & Hogan 2006; Ambady & Rosenthal 1993).

Zusammenfassend kann man sagen: Eine Fremdeinschätzung ermöglicht eine Bewertung eines Individuums und deren Leistung am Arbeitsplatz, auch wenn diese von der Selbsteinschätzung abweicht.

2. Selbst- bzw. Fremdeinschätzung: Welche von beiden ist relevanter für die Leistungsbeurteilung am Arbeitsplatz?

Wenn Selbst- und Fremdeinschätzungen nicht unbedingt die gleichen spekte der Persönlichkeit messen, welche  der beiden Messmethoden ist  m Arbeitsplatz relevanter? Die Antwort lautet: Es kommt auf den Kontext an. Für das Assessment von Kandidat*Innen im Bewerbungsprozess ist die Fremdbewertung besser geeignet als die Selbsteinschätzung (Mount et al., 1994; Oh et al., 2011). Zum Beispiel Mount et al. (1994) untersuchten, ob Bewertungen von Vorgesetzten, Kollegen oder Kunden die Leistung vorhersagen konnten. Sie stellten fest, dass die extern bewertete Gewissenhaftigkeit und Extraversion (z. B. Vorgesetzte) gültige Vorhersagen für die Arbeitsleistung lieferten.

Andere Untersuchungen bestätigen diese Ergebnisse und zeigen, dass Fremdeinschätzungen (vs.  Selbsteinschätzungen) einen stärkeren Effekt bei der Vorhersage der Arbeitsleistung haben.   Darüber hinaus zeigt die   Forschung, dass ein KPI aus der Kombination von Fremd- und Selbsteinschätzung zu einer Verbesserung der Vorhersage der Leistung am Arbeitsplatz führt (Oh et al. 2011).

Zusammenfassend lässt sich sagen:

  1. Fremdeinschätzungen konzentrieren sich auf den Verhaltensaspekt der Persönlichkeit
  2. Fremdeinschätzungen beurteilen Persönlichkeit aus der Beobachter Rolle
  3. Fremdeinschätzungen haben eine höhere Gültigkeit bei der Vorhersage der Arbeitsleistung als die herkömmlichen Selbsteinschätzungen

3. Angewendete Methode der KI-basierten Persönlichkeitsanalyse

Die in ThinkSimple+ verwendete KI-basierte Persönlichkeitsanalyse beruht auf Fremdeinschätzung und sie liefert Ergebnisse gemäß dem Big5-Persönlichkeitsmodell.

 

Zugrunde gelegtes Persönlichkeitsmodell - The Big-5

Adjektive werden verwendet, um die Persönlichkeit einer Person zu beschreiben (Goldberg, 1992; McCrae & Costa, 1987). Diese Adjektive sind in Dimensionen gruppiert und stellen ein Merkmal höherer Ordnung dar. Die Forscher gruppieren die Attribute in 5 Merkmale:  Offenheit, Gewissenhaftigkeit, Extraversion, Verträglichkeit und Neurotizismus (Emotionale Stabilität). Als die am häufigsten verwendeten Modelle in der unter den Psychologen, diese 5 Eigenschaften sind als die Big5 oder OCEAN  Modell bekannt.

Diese Merkmale auch Attribute genannt besitzen beschreibende Unterdimensionen. Zum Beispiel hat Offenheit Subdimensionen wie intellektuelle Neugierde, ästhetisches Interesses und Kreativitätsphantasie. Gewissenhaftigkeit misst das Verhalten einer Person in Bezug auf Leistungsstreben, Aktivitätskontrolle und Fleiß. Extraversion beschreibt die soziale, energetische und Durchsetzungskraft einer Person. Die Verträglichkeit beinhaltet das mitfühlende, respektvolle und vertrauensvolle Verhalten einer Person (Soto & John, 2017). Extraversion und Verträglichkeit werden besonders verwendet, um zwischenmenschliches interaktives Verhalten zu beschreiben, während Gewissenhaftigkeit und Neurotizismus verwendet werden, um intrapersonales Verhalten zu beschreiben.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Adjektive verwendet werden können, um die Persönlichkeit der Menschen zu beschreiben und sie entlang einer Taxonomie zu klassifizieren.

Weitere Information über das hier verwendete Modell unter: Goldberg

 

Beschreibung der Big5 Persönlichkeitsmerkmale

Offenheit

Wer bei dieser Eigenschaft hohe Werte erzielt, neigen dazu, intellektuell neugierig zu sein, bereit, neue Dinge auszuprobieren, ist kreativer oder unkonventioneller. Diejenigen, die in dieser Eigenschaft niedrige Werte erzielen, sind weniger anpassungsfähig.
 

Gewissenhaftigkeit

Dies zeigt, wie gut sich eine Person auf Verantwortung, Organisation und Zielsetzung ausrichtet. Gewissenhaftigkeit besteht aus Selbstkontrolle und zeigt, wie die Person Entscheidungsoptionen analysiert. Diejenigen, die bei dieser Eigenschaft niedrig punkten, neigen dazu, spontaner, flexibler oder unzuverlässiger zu sein.
 

Extraversion

Das Spektrum der Extraversions-Introversion beschreibt, wie Individuen Freude ableiten und Energie empfangen. Je introvertierter, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass die Person mehr Freude an ihrem inneren Leben empfindet als durch gesellschaftliche Ereignisse. Introvertierte sind eher fasziniert von der Welt der Ideen und neigen daher dazu, ein bisschen zerebraler und reflektierter als Extrovertierte zu sein. Extrovertierte gewinnen Energie, wenn sie um andere herum sind und an einer Vielzahl von Aktivitäten teilnehmen. Niemand ist rein extrovertiert oder introvertiert.
 

Verträglichkeit

Eine Person mit hoher Punktezahl in dieser Eigenschaft zeigt ein größeres Maß an sozialem Verhalten wie Kooperation, Freundlichkeit und Höflichkeit. Sie besitzt die Fähigkeit zu substantieller Empathie und neigt dazu, sich um andere zu kümmern. Sie neigt dazu, Konflikte zu vermeiden und selten negative Emotionen zu zeigen.
 

Neurotizismus

Personen, die bei dieser Eigenschaft hoch punkten neigen dazu, negative oder emotional ängstliche Zustände zu erleben. Sie ringen mit Gefühlen der Angst, Depression, Schuld oder Einsamkeit – mehr als diejenigen, die niedrig punkten. Neurotizismus ist ein langfristiger emotionaler Zustand und er lässt den Alltag schwieriger erscheinen lassen als es in Wirklichkeit ist.

 

Literatur

Ambady, N., Krabbenhoft,M. A., & Hogan, D. (2006). Der  30-Sek.  Verkauf: Verwenden von  dünngeschnittenen  Urteilen, um die Umsatzwirksamkeit  zu  bewerten.   Journal of Consumer Psychology, 16(1),  4-13.

Ambady,  N.,  &  Rosenthal,  R. (1993). Eine halbe    Minute:  Vorhersage von Lehrerbewertungen aus dünnen Scheiben nonverbalen Verhaltens  und  körperlicher Attraktivität.     Journal of Personality and Social Psychology, 64(3),  431-441.

Borkenau, P.,  Brecke, S.,  Möttig,  C.,  &  Paelecke,  M.  (2009). Die Extraversion  wird  nach  einer  50-ms-Exposition  gegenüber    einem Gesicht genau  wahrgenommen.   Journal of Research in Personality, 43(4),  703-706.

L. R. Goldberg (1992). Die  Entwicklung  von  Markern  für  die  Big-Five-Faktorstruktur.    

Psychologische Beurteilung, 4(1), 26-42.

Kogan, A.,  Saslow,  L.  R.,  Impett,E. A.,  Oveis,  C.,  Keltner, D.,  &  Saturn,  S. R. (2011).   evaluation  Dünnschnitt-Studie    des  Oxytocin-Rezeptor-Gens  (OXTR)    und  Auswertung  und  Expression  der   prosozialen Disposition. Proceedings of the  National Academy  of Sciences, 108(48),  19189-19192.

Kolar, D. W., Funder, D. C.,  &  Colvin,  C. R. (1996). Vergleich  der  Genauigkeit  von  Persönlichkeitsurteilen  durch  das  Selbst  und  sachkundige  andere.   Journal of  Personality, 64(2),  311-  337.

McCrae, R. R.,  &  Costa, P. T. (1987). Validierung  des    Fünf-Faktor-Persönlichkeitsmodells  of   über Instrumente  und Beobachter hinweg.   Journal of Personality and Social Psychology, 52(1),  81–  90.

Mount, M.  K.,  Barrick,  M. R.,  &  Strauss,  J.  P. (1994). Gültigkeit  der  Beobachterbewertungen    der  Big  Five  Persönlichkeitsfaktoren.   Journal of Applied Psychology, 79(2), 272-280.

Oh, I.-S., Wang, G.,  &  Mount,  M. K. (2011). Gültigkeit  der  Beobachterbewertungen    des  Fünf-Faktor-Modells   von  Persönlichkeitsmerkmalen:  Eine  Metaanalyse.   Journal of Applied Psychology, 96(4),  762–773.

Soto, C. J.,  &  John, O. P. (2017). Kurze und  extrakurze Formen  des    Big  Five  Inventory–2:  Der  BFI-2-S  und  BFI-2-XS. Journal of Research in Personality, 68,  69–81.

Vazire,  S.,  &  Carlson,  E. N. (2011). Andere  kennen  uns  manchmal  besser, als  wir selbst kennen.   Aktuelle Richtungen in Psychologischer Wissenschaft, 20(2),  104-108.